Görlitz/Würzburg (POW) Das Bistum Görlitz könnte nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten (AGU) der deutschen (Erz-)Diözesen das erste klimaneutrale Bistum in Deutschland werden. Diesen Vorschlag brachten die Teilnehmer bei ihrer Jahrestagung bei einem Treffen mit Bischof Wolfgang Ipolt ein.
Zu der Tagung im Sankt-Wenzeslaus-Stift in Jauernick kamen Vertreter aus den deutschen (Erz-)Bistümern zusammen. Gastgeberin war Gabriele Kretschmer, ehrenamtliche Umweltbeauftragte des Bistums Görlitz. Sie mahnte, Kirche und Gesellschaft müssten die Themen Klima und Nachhaltigkeit deutlich ernster nehmen. Die Kirche könne „ein Leuchtturm werden“ und beim Schutz der Schöpfung vorangehen. Noch immer gebe es aber etwa Einweggeschirr bei Wallfahrten.
AGU-Sprecher und Vorstandsmitglied Matthias Kiefer (Erzbistum München und Freising) würdigte das Engagement kleinerer und ressourcenschwacher Bistümer. Besonders hob er Kretschmers gute Vernetzung in Görlitz hervor. Nach seinen Worten trugen Initiativen ihres Netzwerks auch dazu bei, dass sich die Stadt Görlitz das Ziel gesetzt hat, bis 2030 klimaneutral zu werden.
Bei Gesprächen mit dem Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu und Bischof Ipolt ging es um Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung als christliche Grundhaltung. Kiefer berichtete, man habe den Bischof ermutigt, über Klimaneutralität für das Bistum nachzudenken. Er habe den Eindruck gewonnen, dass diese Idee bei Ipolt auf offene Ohren gestoßen sei.
Pastoralreferent Christof Gawronski, Umweltbeauftragter des Bistums Würzburg, zog ein positives Fazit des Treffens. „Für mich war es hochinteressant, einen Einblick in ein Bistum zu bekommen, das so ganz anders ist als unseres“, sagte er. Die überschaubareren Strukturen könnten helfen, Entscheidungen schneller zu treffen und Klimaschutzmaßnahmen zügiger umzusetzen. Zugleich verwies Gawronski auf besondere Herausforderungen wie die große Fläche des Bistums, die Diaspora-Situation und das politische Umfeld. Besonders nachdenklich habe ihn die Analyse der sächsischen Landtagsabgeordneten und ZdK-Delegierten Franziska Schubert gemacht. Sie habe darauf hingewiesen, dass sich Kirche und Staat in vielen Orten vor Jahrzehnten aus der Fläche zurückgezogen hätten und dadurch Räume entstanden seien, die heute teilweise von antidemokratischen Kräften genutzt würden.
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