Lohr am Main (POW) Betritt man den Garten von Diakon Manfred Müller in Lohr am Main (Landkreis Main-Spessart) fällt der Blick auf ein zylinderförmiges, mit roten Ziegeln verkleidetes Etwas mitten auf der Wiese. Auf der Oberseite thront ein Sandhügel, der mit Totholz und ein paar Dornenästen bedeckt ist. Was wie eine eigenartige, überdimensionale Gartendekoration aussieht, nennt sich „Sandarium“ und soll im Sommer eine Brutstätte für Wildbienen sein. Diakon Müller und seiner Frau Gertrud geht es dabei nicht um den dekorativen Charakter des leuchtend roten Sandariums, sondern um den Erhalt der Artenvielfalt von Wildbienen.
In Deutschland gibt es laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland rund 560 Arten von Wildbienen. Durch die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen tragen sie zur biologischen Vielfalt bei und sind essentiell für das Ökosystem. Viele Arten von Wildbienen sind jedoch vom Aussterben bedroht, unter anderem durch den Verlust von natürlichen Lebensräumen oder den Einsatz von schädlichen Pestiziden in der Landwirtschaft. Mittlerweile gibt es in vielen Baumärkten sogenannte Bienenhotels, die diesen Lebensraum künstlich ersetzen sollen. Diese sind jedoch nicht für alle Wildbienen geeignet. Drei Viertel der Wildbienenarten sind Bodenbrüter und fühlen sich in Sandböden, totem Holz oder Trockenmauern am wohlsten. Das Sandarium vereint all diese Eigenschaften.
Gebaut haben es Müller und seine Frau zusammen mit einem Familienfreund und zwei Nachbarsjungen. Sogar das BR-Fernsehen war für die Sendung „Querbeet“ mit dabei. Die Materialien wurden sorgfältig ausgewählt. Für ein Sandarium brauche es ungewaschenen Grubensand, erklärt Müller. Sonst würden die Tunnel, welche die Wildbienen bauen, nicht halten. Die Ziegel, die das Grundgerüst des Sandariums bilden, bieten einen zusätzlichen Lebensraum, denn in den Röhren der Ziegel können weitere Arten von Wildbienen leben. Sogar im Totholz auf der Oberfläche des Sandariums können sich Wildbienen einnisten. Die 250 Ziegel sind zudem von einer 100 Jahre alten Scheune, die abgerissen wurde. So wird das Projekt im doppelten Sinne nachhaltig. Die Dornenäste sind letztlich ein Schutz vor Katzen, damit aus dem „All-inclusive“-Bienenhotel kein Katzenklo wird.
Neben dem Sandarium haben die Müllers noch weitere Dinge im Garten, die ein Lebensraum für Tiere und Insekten sind. Da wäre eine Reptilienburg – ein Steinhaufen, der zum Beispiel für Eidechsen ein Zuhause ist. Ein Käferkeller, wo sich in einem mit Totholz gefüllten Erdloch Insekten einnisten können, und ein Totholzhaufen, in dem sich Vögel oder Igel wohlfühlen können. Selbst die Wiese ist bis auf ein paar Fußpfade nicht gemäht, was Heuschrecken und andere Insekten anzieht.
Im Frühling könnten dann die ersten Wildbienen im Garten der Müllers dazukommen. Eine erhöhte Stechgefahr sieht Müller dadurch nicht: „Wildbienen sind nicht aggressiv, und durch den sehr kleinen Stachel geht nicht wirklich eine Gefahr aus.“ Für ihn seien die Bienen und Insekten eher eine Bereicherung für den Garten. „So ein klinischer Garten mit möglichst vielen geraden Linien und möglichst wenig Wildwuchs passt nicht zu uns.“ Er wolle niemanden umerziehen, wie er oder sie den Garten zu führen habe. Vielmehr gehe es ihm darum, die Schöpfung zu bewahren und ein wenig Bewusstsein dafür zu schaffen. „Man bekommt ja mit, wie viele Tiere und Insekten gefährdet sind. Ich glaube, dass da jeder kleine Schritt etwas wert ist“, sagt Müller.
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